Suicide Squad | Filmkritik

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Ich möchte Suicide Squad sooooo gerne lieben, wirklich, ganz ehrlich — aber es geht einfach nicht.
Im Grunde ziehe ich ein relativ einfaches Fazit zu Suicide Squad: Die Schauspieler sind durch die Bank weg genial; es gibt einige sehr beeindruckende Bildsequenzen, die einem Gänsehaut bescheren; die Figuren sind größtenteils sehr gut ausgearbeitet und dargestellt; sogar die Story ist für einen Film diesen Genres beinahe akzeptabel und die Filmmusik ist oft wirklich perfekt gewählt.
Jetzt folgt das große, dicke, fette, das Gute erdrückende ABER, es gibt so unglaublich viele erzählerische Schwächen, angefangen bei der mangelnden Einführung von bspw. Katana oder den unendlich vielen, wichtigen Szenen, die dem Schnitt zum Opfer gefallen sind. Der Schnitt zwischen Szenen ist oft nicht nur hektisch und abgehackt, sondern auch zu oft verwirrend.
Die Schwäche von Suicide Squad liegt also nicht an der Story oder der Musik und schon gar nicht am Cast, sondern an der Umsetzung dieses unglaublichen Potentials.

Im Detail wird das Ganze dann aber doch nicht so einfach. Die Fehler in der Regie kann man nicht gänzlich David Ayer vorwerfen, der mit End of Watch und Herz aus Stahl gezeigt hat, dass er sehr gute Filme machen kann. Vielmehr sollte man wissen, dass David Ayer unglaublich viel Druck vom Studio Warner Bros. bekommen hat, einen finalen Cut bereits frühzeitig abzuliefern, damit man das gewünschte Erscheinungsdatum 05.08. einhalten kann. Dass unter solchen Bedingungen selbst der beste Regisseur nur Mittelmaß produzieren kann, haben wir bereits bei der Hobbit-Reihe und Peter Jackson gesehen. Eine Entwicklung, die ich mit Sorge betrachtet, denn eigentlich ist es uns Zuschauern doch egal, ob der Film einen oder zwei Monate später heraus kommt, sollte dies den Unterschied zwischen Mittelmaß und Genialität machen.
Ganz freisprechen möchte ich David Ayer dennoch nicht. Die gefühlt stundenlange Slow Motion-Sequenz während der finalen Schlacht braucht niemand in dieser ausufernden Länge, wenn dafür wichtige Szenen zum Hintergrund der Figuren nicht in den Film genommen werden.
Der bereits oben angesprochene Schnitt ist zudem ziemlich schwierig für den Zuschauer. Es gibt oft kaum Übergänge zwischen den aneinander gestückelten Szenen, was für die erste Viertelstunde noch ein gelungenes Stilmittel zur Einführung der Figuren ist, später aber nur noch nervt. Geschuldet könnte dies den vielen Nachdrehs sein, die angeblich nach der schlechten Reaktion auf die erste Vorführung noch vorgenommen wurden. Dennoch ist dies keine Entschuldigung dafür, dass über den ganzen Film hinweg kaum ein richtiger Fluss der Erzählung aufkommen möchte und daher den Zuschauer auch nicht mitreißen kann.

Slipknot, Boomerang, Katana, Enchantress, Rick Flag, Harley Quinn, Deadshot, Killer Croc und Diablo
Slipknot, Boomerang, Katana, Enchantress, Rick Flag, Harley Quinn, Deadshot, Killer Croc und Diablo

Als ich in den Trivias auf imdb.com gelesen habe, welche Szenen es nicht in den Finalen Cut geschafft haben, konnte ich einen erneuten, enttäuschten und frustrierten Seufzer nicht aufhalten. Heraus geschnitten wurden Szenen, die dem Film noch ein wenig mehr Tiefe und dem Zuschauer eine noch emotionalere Bindung zu den Figuren gegeben hätte. Heraus geschnitten für oft zu langatmige Kampfszenen und (ja, ich komme schon wieder darauf zurück) diese absolut unnötige Slow Motion am Ende.
Da wäre beispielsweise eine genauere Erklärung zu Katanas Fähigkeiten, die völlig vernachlässigt werden. Katana ist meiner Meinung nach eine der interessantesten Figuren der Suicide Squad. Angefangen bei der kaum vorhandenen Einführung ihres Charakters (ernsthaft, sie taucht einfach auf mit Flaggs Kommentar, dass sie zu spät ist?!) bis hin zu der fehlenden Erklärung, ob ihr Katana denn nun wirklich Seelen einfangen kann oder nicht, denn das wurde heraus geschnitten und von den anderen Figuren eher skeptisch am Rande erwähnt.
Oder Killer Crocs Geschichte. Wie er wegen seines Aussehens auf nichts anderes als Abstoßung getroffen ist und letztlich gelernt hat, sich selbst zu lieben, wie er ist – aus eigener Kraft heraus. Eine Aussage, die gerade in der heutigen Zeit von Instagram-Filtern und Selbstinszenierungskultur, so unglaublich wichtig gewesen wäre, wird nur in einem Nebensatz abgehandelt. Killer Croc ist einzig erlaubt auf einen Seitenhieb von Harley Quinn mit einem trockenen “Ich bin schön” zu antworten. Mehr nicht. So viel weggeworfenes Potential.
Tatsächlich wurden auch so viele Szenen von Joker gekürzt und herausgeschnitten, dass Jared Leto sich selbst im Nachhinein von diesem Finalen Cut des Filmes deutlich distanziert. Verständlich, denn Joker hat in Suicide Squad zwar bildgewaltige, wahnsinnige Szenen, wird aber allgemein darauf herunter gestutzt, dass sein einziger Sinn im Film ist, Harley Quinn zu retten. Schade, denn erstens braucht Harley Quinn ganz sicher keinen Ritter in strahlender Rüstung und zweitens (ich wiederhole mich) so viel weggeworfenes Potential.

All diese Dinge sind so unglaublich ärgerlich, dass man beinahe das Gute, das Geniale an Suicide Squad vergessen könnte. Aber das wäre insbesondere den Schauspielern gegenüber mehr als unfair. Ich könnte mir keinen besseren Cast für die Figuren vorstellen! Angefangen bei Will Smith, der Deadshots inneren Konflikt sehr schön herüber bringt, über Margot Robbie, die Harley Quinn in ihrem Wahnsinn so herrlich zelebriert, dass man gar nicht genug davon bekommen kann; bis hin zu einer überraschend ausdrucksstarken Cara Delevingne als wunderbar düstere Enchantress und natürlich Jared Leto als ein Joker, der mir öfters als einmal Gänsehaut beschert hat. Jeder einzelne, selbst der kleine Nebendarsteller, hat sich so enorm in seiner Rolle eingefunden, dass ich hinterher ob dieser gesamten Leistung restlos begeistert war.
Außerdem konnte man selbst als Zuschauer nicht daran vorbei kommen zu bemerken, wie viel Spaß die Beteiligten an diesem Projekt hatten. Der ganze Film hätte noch weniger funktioniert, wenn nicht diese geniale Stimmung unter den Darstellern geherrscht hätte. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass Margot Robbie und Jared Leto keine Proben miteinander hatten, um die Unberechenbarkeit ihrer Figuren perfekt auf die Leinwand zu bringen.
(Ich hoffe so sehr, dass in dem gemunkelten Harley Quinn Projekt, in dem Margot Robbie wieder dabei ist, auch Jared Leto als Joker eine größere Rolle spielt. Die Chemie zwischen den beiden Figuren war so restlos ehrlich, dass ich einfach nicht genug von Harley Quinn und Joker bekommen kann!)

Harley Quinn, Killer Croc, Katana, Deadshot und Boomerang beschützen Rick Flag
Harley Quinn, Killer Croc, Katana, Deadshot und Boomerang beschützen Rick Flag

Überhaupt sind die Figuren so gut dargestellt, wie ich es schon lange nicht mehr in einem Film gesehen habe. Kein Charakter — nicht einmal Deadshot oder Harley Quinn, auch wenn diese verständlicherweise etwas mehr Screentime hatten — war übermäßig beleuchtet, während man andere vernachlässigt. Einzig Katana und Amanda Waller wirkten ein wenig zweidimensional, erstere weil ihr nicht genug Hintergrund gegeben wurde und letztere, weil sie vermutlich einzig als unsympathische Drahtzieherin konzipiert wurde.
Alles in allem hat mich das Charakterdesign trotzdem unglaublich überrascht, vor allem, da ich im Vorhinein befürchtet hatte, dass Figuren wie Killer Croc oder Captain Boomerang zu bloßen Statisten reduziert werden würden. Jeder Charakter wird (halbwegs) ausreichend beleuchtet, die Screentime ist relativ ausgeglichen und jeder hat seine wichtige Rolle innerhalb des Squads zu spielen. Das ist so viel mehr als man von anderen Filmen dieses Genres sagen kann und begeistert mich daher umso mehr!

Und habe ich schon die Musik erwähnt? Absolut gelungen (tatsächlich höre ich den Soundtrack, während ich diesen Artikel hier schreibe)! Nicht ein einziges Mal ist mir die Filmmusik als störend oder unpassend aufgefallen, eher im Gegenteil. Für die Einführung einer jeden Figur wurde das genau passende Lied gewählt und bestimmte Szenen wurden so perfekt untermalt, dass ich allein deswegen Gänsehaut bekommen habe.
Da kann man die kleinen Schwächen in der ansonsten ebenfalls überraschend guten Story gerne verzeihen. Es hätte vieles etwas besser erklärt werden oder eben nicht dem Schnitt zum Opfer fallen sollen und vielleicht hätte man Amanda Waller (genial gespielt von Viola Davis!) ein bisschen weniger als völliges gefühlskalt darstellen können. Aber was mir unglaublich gut gefallen hat war, dass Suicide Squad gelungen damit spielt, dass es keinen dieser typischen Superhelden-Bösewichte hat. Es gibt natürlich einen Bösewicht, der auch recht klassisch angelegt ist, aber genug Hintergrund bekommen hat, dass die Figur nicht ausschließlich zweidimensional wirkt.
Enchantress ist diejenige, die wohl als dieses Böse angesehen werden kann, denn sie strebt immerhin danach die Welt zu unterjochen. Allerdings wird auch gezeigt, dass sie erstens gewohnt ist als Gott betrachtet zu werden und zweitens unglaublich verwirrt ob ihrer neuen, fremden Umgebung ist. Wer würde in dieser Situation nicht krampfhaft an Altgewohntem festhalten wollen?
Allerdings wäre da dann auch noch Amanda Waller, die zwar auf der Seite der Guten steht, aber wohl der unsympathischste Charakter in der jüngeren Filmgeschichte sein dürfte — obwohl sie nicht an Dolores Umbridge heran kommt — und damit auch keinen typischen guten Charakter verkörpert, sondern die Linien zwischen Gut und Böse sehr stark verschwimmen lässt.
Wenn wir über Grauzonen reden, müssen wir hier auch über Joker reden. Denn ja, wie üblich ist er auf faszinierende Art nicht ganz richtig im Kopf und findet Gefallen daran, sehr, sehr schlimme Dinge zu tun. Aber doch nur, um seine Harley Quinn zurück zu bekommen. Auch wenn ich mir eigentlich ein wenig mehr Sinn für Jokers Anwesenheit im Film gewünscht hätte, lässt ihn diese Tatsache beinahe menschlich wirken.

Überhaupt, das ganze Konzept, die bösen Jungs und Mädels dazu einzusetzen das (noch?) Bösere zu bekämpfen, zieht sich durch jeden einzelnen Charakter im Film durch. Ein Charakterdesign also, dass mich Lobeshymnen singen lässt.

Umso trauriger und wütender macht mich, dass dieses Potential, diese Genialität, diese Originalität, derart verpfuscht wurde. Es bleibt mir also nur tief durchzuatmen, enttäuscht den Kopf zu schütteln und zu hoffen, dass ein Director’s Cut mit all den fehlenden Szenen und Übergängen heraus gebracht wird. Oder dass dem Regisseur für einen zweiten Teil genug Zeit gegeben wird, einen wirklich guten Film zu machen und nicht nur irgendeine Deadline zu halten.

In diesem Sinne, schaut ihn euch an, denn über diesen Film muss man sich einfach ein eigenes Bild machen.


xo,
Frenzy

Suicide Squad

Länge: 2h 3min
Erscheinungsdatum: 18.August 2016 (Deutschland)
Regie: David Ayer
Cast: Will Smith, Margot Robbie, Jared Leto, Viola Davis, Cara Develingne, Jai Courtney, Jay Hernandez, Joel Kinnaman, Karen Fukuhara
Genre: Comicverfilmung, Action
Wertung: 7/10

1 Comment

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  1. 1
    Dedicated servers

    When Harley Quinn falls from the chopper, lands on the roof, rolls and then begins running again, it is clearly a man stunt double. Suicide Squad was a disappointment to me. May be I got hooked on the hype or was expecting too much from WB. This movie had a great concept that we saw on the small screen, both TV series and animated.

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