Respawn | Vier Punkte zum Neuanfang

Es gibt Momente, in denen wir unseren Alltag neu aufbauen wollen - und das ist keine einfache Aufgabe.

Der Wecker klingelt. Ein nerviges, unendliches Piepen. Kein sanftes Vogelgezwitscher am Morgen oder beruhigendes Meeresrauschen, das einen langsam und schonend aus dem Schlaf holt. Nein, ein hässliches, lautes Piepen. Der erste Blick geht auf den Kalender, direkt nachdem das Piepen endlich abgestellt ist. Das Bett ist so schön warm und verlockend, aber ein erneuter Blick auf den Kalender und jeder Gedanke an ‘länger liegen bleiben’ ist verschwunden. Um acht Uni, vorher frühstücken und sich selbst soweit restaurieren, dass man unter Menschen gehen kann. Noch mehr Uni, ein Tutorium, vielleicht ausnahmsweise ein Date zum Mittagessen und danach einen Arzttermin. Die To-Do-Liste ist noch gefüllt von Dingen vom Vortag und eigentlich wäre da noch die Deadline für diesen einen Essay. Und wann sollte der nächste Blogpost nochmal online gehen? Egal, geht auch noch — irgendwie. Weiter machen. Schneller machen. Was wurde aus dem geplanten Telefonat mit den Eltern? Ach, das geht auch noch morgen. Anderes ist wichtiger. Muss wichtiger sein, schließlich hängt die Karriere davon ab. Vielleicht doch noch zusätzlich diesen einen Kurs? Das würde sich gut im Lebenslauf machen… Noch mehr. Noch besser. Oder zumindest mehr und besser als andere.
Kurz stehen bleiben. Die Sonne scheint gerade so schön. Augen zu, Gesicht zur Sonne hin. Einatmen. Ausatmen. Ach nein, keine Zeit. Los weiter. Schneller. Die vergeudete Zeit aufholen. Los, los, los.
Dann plötzlich alles schwarz. Alles weg. Der sonst so feste Untergrund verschwindet. Das Gefühl von Fallen. Aber nicht dieses gute, leichte Gefühl von Fallen, sondern das, welches uns schreien lässt oder wir schreien wollen aber nicht können, weil wir zu schockiert sind. Pause.
Zu spät.

Manchmal passieren Dinge in unserem Leben, die uns derart aus der Bahn werfen, dass ein Zurück in den bisherigen Alltag keine Option mehr darstellt. Mein Alltag wurde auseinander gerissen, durcheinander gewirbelt und dann völlig auf den Kopf gestellt. Ein Verbleiben in ständigem Chaos ist weder üblicherweise akzeptiert noch sonderlich gesund (egal wie sehr ich es mir im Moment wünsche einfach stehen zu bleiben), daher geht es jetzt für mich daran einen neuen Alltag aufzubauen.
Vielleicht habt ihr das Gefühl etwas ändern zu müssen. Vielleicht geht es euch ähnlich wie mir. Vielleicht seid ihr körperlich nicht ganz angekommen in eurer Wohlfühlzone. Vielleicht habt ihr auch einfach nur Lust auf Veränderungen. Ich werde und muss versuchen meinen Alltag neu zu definieren und möchte ihn bewusster (er)leben als vorher.

| NEUE GEWOHNHEITEN
Es lohnt sich immer gute, gesunde Angewohnheiten in seinen Alltag einzubauen. Das fällt natürlich einfacher, wenn man eben jenen neu aufbaut, als wenn man in seinem täglichen Trott hängt und versucht an diesem etwas zu ändern.
Vermutlich kennt jeder den Spruch “Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.” Wissenschaftlich betrachtet sind wir deshalb Gewohnheitstiere, weil unser Gehirn vor jeder Aktivität eine Entscheidung treffen muss. Sind diese Aktivitäten allerdings Routinen so haben sie sich bereits durch Wiederholung an unsere Erinnerung geknüpft, die Entscheidung wird unterbewusst und deutlich schneller getroffen – unser Gehirn wendet also gefühlt weniger Zeit für eine Entscheidung auf und was wenig Zeit zum Entscheiden benötigt fühlt sich meist richtig an. Dieses Gefühl etwas richtig gemacht zu haben wiederum vermittelt ein Wohlgefühl, da das Gehirn in diesem Prozess Dopamin (oder ugs. auch Glückshormon) ausschüttet. Gewohnheiten und Routinen lassen uns also sicher und geborgen fühlen.

Genau deshalb fällt es uns so schwer neue Gewohnheiten in unseren bestehenden Alltag zu integrieren. Am Anfang fühlt es sich anstrengend und nach etwas an, das wir falsch machen. Es gibt unzählige Tipps, wie man eben diese Phase überwindet um letztlich auch mit neuen Routinen unser Gehirn dazu zu bringen Dopamin auszuschütten. Ich möchte mich an der Kaizen Methode probieren um meinen Alltag neu zu strukturieren. Da dieser Blogpost sowieso schon viel zu lange wird, gibt es zur Kaizen Methode einen eigenen Post, der nächste Woche online gehen wird. Wichtig an diesem Punkt zu wissen ist, dass Kaizen damit arbeitet Dinge stetig in kleinen Dosen zu verbessern. Ich möchte also stetig in kleinen, sich steigernden Zeiträumen neue Gewohnheiten in meinen Alltag integrieren.

| GESUNDHEIT
Ganz oben auf meiner Liste der Dinge, die ich besser in meinen Alltag einbinden möchte, steht: mehr auf meine Gesundheit zu achten und dazu zählt natürlich an erster Stelle Sport. Ich möchte also einen Reiz kreieren, der sich an meine Erinnerung knüpft und Sport zu einer Routine inklusive der Ausschüttung von Dopamin wird. Mein Anreiz kann aus gesundheitlichen Gründen nicht die Rechnung von dem Fitnessstudio um die Ecke sein, auch wenn ich davon ausgehe, dass dies ein recht guter Anreiz zum Sport machen sein kann.
Den Sport gemeinsam mit Freunden zu machen stellt auch eine gute Motivation dar, funktioniert für mich persönlich aber leider auch nicht, da meine Freunde entweder nicht in der Nähe wohnen, joggen gehen (was für mich keine Option ist) oder wir auf terminliche Probleme stoßen. Natürlich könnte man diese freundschaftliche Motivation durch eine Motivation in sozialen Medien ersetzen, die Öffentlichkeit oder virtuelle Freunde über Instagram, Twitter und Co. in die Verantwortung der Motivatoren zu nehmen. Aber meiner Meinung nach bietet dies zu viele Fallen in die man, insbesondere seine Selbstwahrnehmung betreffend, leicht und trotz aller Vorsicht treten kann.

Ich werde es also über die Kaizen Methode versuchen und jeden zweiten Tag morgens Sport in langsam ansteigender Dauer machen. Immer zur gleichen Zeit, um die Tätigkeit an die Erinnerung und einen zeitlichen Raum zu binden und beginnend bei 20 Minuten an Tag 1, 21 Minuten an Tag 2, 22 Minuten an Tag 3, usw. Natürlich wäre es einfacher in einen Sportkurs an meiner Universität zu gehen, nur leider werden die eher selten ab 07:30 Uhr an Werktagen angeboten.

Ein zweiter Punkt unter Gesundheit ist für mich auch immer, was man seinem Körper zuführt – kurz: Essen, Kosmetik und dergleichen.
Ich habe schon immer versucht mich bewusst zu ernähren, wozu man weder einen veganen oder vegetarischen Ernährungsplan verfolgen muss, sondern zumindest meiner Meinung nach einfach darauf achten sollte was man isst. Jetzt werden sicher sofort Worte wie Bio und Öko oder regional und saisonal assoziiert und damit natürlich das, was es kostet sich seine Lebensmittel auf dem Markt oder beim Metzger zu kaufen. Aber meine Eltern haben schon immer gesagt, dass man an so ziemlich allem sparen kann nur nicht am Essen, denn das ist am Ende was unser Körper verarbeiten muss. (Und meine Familie ist schwäbisch!)
Man kann sich jetzt unzählige YouTube Videos oder Google Suchergebnisse zu Gemüte führen, am Besten wird es aber sein eine Ernährungsberatung aufzusuchen oder es auszuprobieren. Am Ende des Tages sollte man auf seinen Körper hören und lernen auf die Zeichen, die er jederzeit gibt zu achten.

Bei der Ernährung und insbesondere dem bewussteren Umgang mit Lebensmittel (sowie dem Sparen von Geld) hilft es seine Mahlzeiten zu planen und nach diesem Plan einzukaufen. Viele kennen vielleicht den englischen Begriff meal planning oder meal prep in diesem Zusammenhang. Gute Inspirationsquellen können Kochbücher, Rezepte von Mutter/Vater/Oma/Opa sein oder wer es lieber virtuell hat: Pinterest und YouTube. Schwierig ist es natürlich wieder, sich auch an diesen Plan zu halten. Aber wieder ist es die Gewohnheit und ständige Wiederholung, die dazu führen kann, dass man irgendwann Sonntagabend da sitzt und routiniert die Mahlzeiten für die kommende Woche und damit den Einkauf am Montag plant — ohne groß darüber nachzudenken. Ich für meinen Teil brauche definitiv noch viele Wiederholungen, bis ich an diesem Punkt angekommen bin…

| SICH ZEIT GÖNNEN
Bei all den neuen Routinen und Gewohnheiten, die ich in meinen Alltag einbauen möchte, darf ich eines nicht vergessen: Ich möchte nicht nur meinen Alltag neu strukturieren, sondern auch bewusster leben, bewusster sein. Wir dürfen nicht vergessen Pausen zu machen, uns aus dem alltäglichen Stress herauszunehmen und uns Momente zu gönnen in denen wir durchatmen. Das kann alle Formen und Farben annehmen, individuell angepasst auf uns selbst. Manchmal brauchen wir ein gemütliches Bad bei Kerzenschein, vielleicht hilft auch ein Spaziergang an der frischen Luft, eine Folge der Serie die wir schon lange schauen wollten, zeichnen oder das Lesen eines Buches. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass wir diese Pausen nicht vergessen; und meiner Erfahrung nach vergessen wir sie viel zu oft. Ich versuche daher meine Pausen in meine Tagesplanung einzubauen – mir also gleich von Anfang an bestimmte Zeiten in meinem Tag für Termine zu blocken, damit ich sie als Pause nutzen kann. Die Zeit die wir uns für Freunde und Familie nehmen, für die wir Termine frei schaufeln und kilometerweit fahren – die ist enorm wichtig. Mindestens genauso wichtig ist aber auch, dass wir uns Zeit für uns selbst nehmen. Wir sagen uns oft, das mache ich dann, wenn … Dabei vergessen oder verdrängen wir meist, dass es manchmal für ein ‘dann, wenn’ zu spät sein kann.

| POSITIVES DENKEN
Manchmal ist es schwer positive Gedanken zu fassen; glaubt mir, das weiß ich. Aber das heißt nicht, dass man es nicht versuchen kann und allein der Versuch wird schon dafür sorgen, dass wir uns besser fühlen. Es wird noch ein separater Blogpost folgen, in dem ich euch beschreibe, welche Tricks ich anwende, um mich selbst in eine positivere Stimmung zu bringen. Das würde hier nämlich nun wirklich den Rahmen sprengen.

J. K. Rowling sprach einst durch Albus Dumbledore sehr wahre Worte:
“Aber glaubt mir, dass man Glück und Zuversicht selbst in Zeiten der Dunkelheit zu finden vermag. Man darf nur nicht vergessen ein Licht leuchten zu lassen.”


Welche Erfahrungen habt ihr schon mit einem Neuanfang gemacht?
Mich würde sehr interessieren, wie ihr damit umgegangen seid; welche Tricks ihr anwendet um euch neue Gewohnheiten anzueignen oder ob es etwas gibt, was euch in diesem Zusammenhang sonst noch interessieren würde.

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