London Calling | Reisebericht

Heute gibt es nach langer Zeit wieder einen Blogpost und dazu noch einen ganz besonderen. Er hat nur im weitesten Sinn mit dem zu tun, was ich hier eigentlich machen möchte, allerdings finde ich, dass Inspiration genauso zum Schreiben gehört, wie Stift, Papier oder der Laptop. Und ich persönlich erhalte die meiste Inspiration durch das Reisen. Dieses Jahr ging es Anfang April nach London. Eine wundervolle, von Leben vibrierende und vor allem sehr inspirierende Metropole.
Es war nicht mein erster Besuch in London, sondern tatsächlich schon der dritte, daher war das Programm nicht von Touristenattraktionen durchzogen. Mein Partner und ich haben uns auf die Dinge konzentriert, die wir unbedingt in London mal sehen wollten. Deswegen wird dieser Post auch nicht aus Bustouren, Burger King oder Big Ben bestehen. Wir haben versucht London zu sehen, als die Stadt, die sie ist und nicht als reine Touristen – wobei wir auch den einen oder anderen Tag sehr touristisch unterwegs waren.

 

St.Paul's Cathedral und Millenniums Bridge
St.Paul’s Cathedral und Millenniums Bridge

 

| PLACES TO STAY

Das Hotel, das für fünf Tage und vier Nächte unsere kleine Heimat war, lag sehr praktisch eine Seitenstraße (ca. 5-10 Gehminuten) von der Picadilly Line Station Earl’s Court entfernt. Es ist eine wirklich angenehme Gegend, mit sauberen Straßen und nicht zu vielen zwielichtigen Gestalten. Earl’s Court liegt in der Nähe von Knightsbridge und Chelsea, ist aber bei weitem nicht so teuer wie diese gehypten Viertel. “Henley House Hotel London”, so der volle Name, sieht von außen wenig spektakulär aus, allerdings sind die Hotelzimmer wirklich richtig hübsch und modern, mit überraschend großem Fernseher, bequemem Bett und schönem Bad. Das Frühstück war typisch continental, aber alles sauber und jeden Tag frisch. Lediglich diese unglaublich dicken Teppichböden, die von Briten anscheinend unbeschreiblich gerne auf wirklich alles gelegt werden, finde ich – insbesondere auf den Treppen in Kombination mit hohen Schuhen – sehr unpraktisch. Aber darauf kann man sich fünf Tage lang auch mal einstellen.

Die Anbindung an die Picadilly Line ist sehr praktisch gewesen, da mit dieser sehr viel in der Innenstadt Londons sehr einfach zu erreichen ist. Was sich auf jeden Fall für einen Besuch länger als drei/vier Tage lohnt, ist eine Oyster Card. Die lässt sich ganz einfach am Automat für 5£ Pfand lösen und über Kreditkarte jederzeit aufladen. Allerdings sollte beachtet werden, dass man die Oyster Card nur dann auch wieder am Automat zurück geben und sein ganzes Geld inkl. des Pfands zurück bekommen kann, wenn der Betrag auf der Karte 10£ nicht überschreitet. Das hat bei uns leider nicht so gut funktioniert, da wir mit 11£ und 17£ bei beiden Karten über den 10£ waren. Für uns war das jetzt nicht sehr dramatisch, da mein Partner ab und an geschäftlich in London tätig ist, also die Möglichkeit hat, die Karte zu einem späteren Zeitpunkt auszulösen. Es gibt abgesehen von den Automaten noch die Möglichkeit die Oyster Card über das Internet auszulösen, dann auch bei Beträgen über 10£. Also alles nur halb so schlimm.

 

Typische Gebäude an der Themse
Typische Gebäude an der Themse

 

| WHERE TO EAT

Ich liebe essen, heiß und innig! Wenn man zuerst auch annimmt, dass man in England nicht gut essen kann (was ich nach einem Schüleraustausch auch durchaus bestätigen kann…) so bezieht sich diese Aussage definitiv nicht auf London. Es ist nicht schwer, ein Restaurant zu finden, das einen satt macht. Wir aber wollten wirklich gut essen und waren deshalb in einigen unterschiedlichen Stadtteilen unterwegs. Über eines muss man sich aber vorab im Klaren sein, in London essen gehen ist grundsätzlich erst mal teuer. Wenn man aber bereit ist, das Geld auszugeben, für den gibt es hier ein paar Tipps:

Blues Kitchen Shoreditch: Ja, ja und nochmal JA! Wenn ihr irgendwann in London seid, solltet ihr wirklich unbedingt in eine Blues Kitchen gehen! Wir waren in der in Shoreditch und waren absolut begeistert. Die Blues Kitchen ist eine Mischung aus Restaurant, Bar und regelmäßiger Livemusik (allerdings erst sehr spät, meist ab 11pm). Mich hat insbesondere dieser ganz eigene Charme aus altem Fabrikgebäude, Künstlerbar und ein wenig Steampunk unglaublich gut gefallen. Das Essen war absolut köstlich (wir hatten beide pulled pork) und die Drinks sind zum Niederknien. Preislich ist es für Londoner Verhältnisse und für das, was man geboten bekommt völlig in Ordnung, allerdings würde ich definitiv empfehlen zum Dinner, also abends zu gehen und unbedingt einen Tisch vorab zu reservieren. Solltet ihr aber mal in London sein und in die Blues Kitchen Shoreditch gehen, dann fragt mal nach Elia und richtet ihr Grüße von dem Pärchen aus Deutschland aus, dem sie Tipps zum Weggehen gegeben hat. (Erinnern wird sie sich wahrscheinlich nicht an uns, aber ihr habt dann wenigstens die Grüße ausgerichtet.)

Sunday Roast: Solltet ihr über einen Sonntag in London sein, dann empfehle ich euch, einen typischen Sunday Roast zu essen. Der besteht aus Braten, Soße, Gemüse (vor allem Erbsen), Kartoffeln und Yorkshire Pudding. Wir haben ihn als Lunch im “Old Thameside Inn” gegessen. Der Pub liegt richtig schön direkt an der Themse zwischen dem Shakespeare Globe und der London Bridge, mit super gelegener Terrasse im Sommer. Das Essen war wirklich lecker, auch wenn es mich nicht ganz so begeistert hat, wie die Blues Kitchen oder das Oblix. Preislich war es für Londoner Verhältnisse und die Lage in Ordnung.

Dishoom: Ein Restaurant so, wie man sich typisch indisch vorstellt. Serviert werden ausschließlich indische Getränke und Speisen, was schon allein für die Getränke ein Highlight ist. Interessant ist dort auch das Bestellen an sich. Wir als vollkommene Neulinge haben uns ein klein wenig überfordert gefühlt, aber der Kellner hat alles sehr geduldig erklärt und uns damit sehr geholfen. Wichtig ist zu wissen, dass alles was auf der Karte steht, hauptsächlich zum Teilen gedacht und auch ohne Kennzeichnung relativ scharf ist. Wir hatten im Endeffekt daher (mein Freund isst weder gerne scharf, noch über die schwäbische Küche hinaus) deutlich zu viel zu essen und mussten viel zurückgehen lassen (was wir allerdings hinterher von der Rechnung wieder gutgeschrieben bekommen haben), obwohl es alles wirklich ausgesprochen lecker war. Also wer indisches oder scharfes Essen mag und ein paar Freunde zum Teilen hat, für den ist das Dishoom definitiv zu empfehlen. Mittags bekommt man da auch ohne Probleme einen Tisch.

Oblix: Wer wirklich, wirklich so richtig schick und teuer essen gehen möchte, dem empfehle ich das Oblix im Shard. Hier geht es ausschließlich über Reservierung und Dresscode. Man sollte sich also vorher informieren und unbedingt etwas schickere Kleidung mitnehmen (und besser auch schon einmal in einem teureren Restaurant gegessen haben, sonst ist das alles sehr verwirrend). Das Oblix ist dann aber eine atemberaubende Erfahrung an sich. Im 32. Stock des Shard mit offener Küche, überaus aufmerksamen Kellnern und einem Essen zum Dahinschmelzen, lohnt sich der wirklich teure Besuch absolut. Die Portionen sind überraschend groß und so, dass man gut satt wird. Der Ausblick ist nicht weniger als atemberaubend und für einen romantischen Abend mehr als geeignet. Der Preis ist allerdings nichts für schwache Nerven.

 

Eingang zum Borough Market
Eingang zum Borough Market

 

| WHAT TO DO

In den fünf Tagen, die wir in London waren, haben wir viel Programm rein gepackt. Wir haben uns allerdings schon vorher überlegt, was wir alles sehen wollen, wo wir Karten vorbestellen können und wie lange wir mit der U-Bahn zu den entsprechenden Haltestellen brauchen. Das würde ich jedem empfehlen, da es am Anfang doch recht überraschend ist, wie lange man in Realität für eine so kurze Strecke auf der Karte braucht. Zu den Dingen, die wir gemacht und besucht haben, zählen (sehr Touristen-mäßig) die Bustouren mit Live-Kommentar, ein kurzer Besuch in Greenwitch, ein Kinobesuch und noch so viel mehr, dass ich hier nur ein paar Dinge nennen werde, die sich wirklich absolut lohnen.

Regent’s Park: Wer keine Lust auf den vollkommen überfüllten Hyde Park hat, der kann sich auch gerne mal im Regent’s Park auf eine Bank setzen und den angelegten See genießen, inklusive Jogger, denn die hat man wirklich überall und zu jeder Tageszeit in London, genauso wie Tauben. Der Park ist hübsch, bei warmem Wetter sicherlich auch gut besucht und vor allem Queen Mary’s Garden ist einen Blick wert.

Brompton Cemetery: Ein absoluter Geheimtipp in der Nähe von Earl’s Court, zumindest wenn man nach den Leuten geht die da waren – oder eben nicht (abgesehen von den ewig präsenten Joggern). Wir haben relativ früh (ca. 8:30am) auf dem ältesten Friedhof in London vorbei geschaut, bevor unser Zug nach Watford (Harry Potter Studios) abgefahren ist. Dieser Friedhof ist einfach unbeschreiblich! Die Stimmung morgens war genau das richtige für diesen alten Ort. Schiefe und überwucherte Grabsteine in allen erdenklichen Formen, richtige Krypten, Engelsstatuen, Krähen und vor allem überraschend viele internationale Grabsteine (obwohl sehr alt) haben ein solches Flair, das es sich für mich nicht mit Worten beschreiben lässt. Da sind von Efeu überwachsene, keltische Kreuze neben russisch orthodoxen Grabstätten und japanischen Obelisken. Wirklich ein Ort, den man gesehen haben sollte.

London Symphony Orchestra: Wer mag klassische Musik? Sicher nicht viele, ich gehöre aber zu denen, die sich Klassik wirklich gerne anhören (insbesondere beim Schreiben und Lesen). Das London Symphony Orchestra zählt zu den drei besten Orchestern der Welt und ist allein deshalb schon einen Besuch wert. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Karten in der besten Kategorie mit 40£ im Vergleich zu deutschen Orchestern mit gleichem Rang recht billig sind, ist es schnell ein perfekter Abend. Wir zumindest waren bis zur Sprachlosigkeit begeistert.

Borough Market: Der war leider geschlossen, als wir hin wollten – also merkt euch: nicht am Sonntag hin gehen. Der Borough Market ist eine Ansammlung von ganz vielen unterschiedlichen Marktständen, die – klar – Essen verkaufen. Das für mich besondere daran war der Ort, an dem sich dieser Markt befindet. Ein bisschen alte Bausubstanz, Blumen und ein wenig viktorianisches Flair, da sich der komplette Markt unter Bahngleisen befindet. Allein das lohnt sich zu sehen, auch wenn der Markt geschlossen ist.

Harry Potter Studios Levesden: Für jemanden wie mich, der mit Harry Potter aufgewachsen ist, ein absolutes Muss. Zum Preis kann ich leider nichts sagen, da ich den Besuch dort geschenkt bekommen habe. Aber ich kann sagen, dass es sich definitiv lohnt! Für Fans sowieso, da brauch ich gar nicht groß Wort darüber verlieren, aber durch die liebevolle Aufbereitung unterschiedlicher Abteilungen auch für diejenigen, die nur als Begleitung mitkommen und nicht so viel mit dem ganzen Fandom anfangen können. Zumindest war mein Partner nicht gelangweilt, wenn auch nicht so sprachlos begeistert und extrem fangirlig wie ich.

 

Brompton Cemetery
Brompton Cemetery

 

| WHERE TO FIND INSPIRATION

Wer das pralle Leben mitbekommen und sich Inspiration für Figuren holen möchte, der sollte sich auf den kleinen Flecken Grün am Leicester Square setzen und beobachten. Nehmt euch dort allerdings vor “Free Hugs” in Acht, eine beliebte Masche, um eure Taschen aus zu räumen. Wo man viele unterschiedliche Menschen beobachten kann, ist tatsächlich die oben schon erwähnte Blues Kitchen (ihr merkt, die hat es mir schon sehr angetan). Das künstlerisch-alternative Viertel Shoreditch ist allein schon für sich eine Inspirationsquelle, wenn man dann noch eine Bar findet, in der man einem Indie-Künstler bei einer Jam-Session zuhören kann, umso besser.
Den oben erwähnten Brompton Cemetery finde ich auch unglaublich stimmungsvoll. Wie gerne hätte ich mich da einfach mit meinem Laptop oder Stift und Notizbuch auf eine der vielen Bänke gesetzt und einfach nur geschrieben. Der Friedhof ist daher, offensichtlich, eher für Stimmungen und ganz allgemein geeignet und weniger dafür, Menschen zu beobachten um als Vorlage für Figuren zu nehmen.
London. Die ganze Stadt, mit all ihren unterschiedlichsten Orten und dem Pool an Kulturen, den man dort erleben kann, ist schon allein für sich in ihrer Gesamtheit eine tolle Inspirationsquelle. Ein Besuch lohnt sich also auf jeden Fall.

 

 

xo,
Frances

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