Einen Anfang finden

Womit es beginnt_Bild

Womit fängt es eigentlich an, dieses Schreiben?

Bei mir ist es meistens die Idee eines Konflikts. Bei meinem Original-Projekt war es die altbekannte Kollision von Gut und Böse; ein Konflikt, vermutlich so alt wie die Literatur selbst. Bei der Fanfiction, an der ich gerade zum Ausgleich ein wenig schreibe und plotte, ist es die Schwierigkeit während einem Krieg die richtige Seite zu wählen und nach besagtem Krieg wieder zueinander zu finden, einander anfangen zu vertrauen, Vorurteile zu überbrücken und Grundstrukturen neu aufzubauen.
Danach bzw. meist direkt mit der Idee des Konflikts, kommt bei mir die Idee der hauptsächlich involvierten Personen. Wer steht in diesem Konflikt? Wie stehen die Personen zueinander? Wie sehen die Hintergründe dieser Personen aus?

Spätestens zu diesem Zeitpunkt habe ich auch schon ein grobes Bild davon, wie die Personen aussehen. Das ist dann auch tatsächlich bereits das nächste, was ich ausarbeite – auch wenn es vermutlich ein unwichtiges Detail ist. Ich brauche einfach dieses Bild meiner Figuren bereits sehr früh im Schreibprozess, damit ich weiter denken und plotten kann. Hier achte ich natürlich besonders auf Besonderheiten, auf kleine individuelle Merkmale und Dinge, die der Figur einen Wiedererkennungswert geben.

Was jetzt noch fehlt, ist eine Welt um die Idee herum.
Bei Fanfictions ist dies – scheinbar – der einfachste Teil, denn es gibt ja schon eine Welt, in der man seine Figuren agieren lässt. Allerdings ist es dann natürlich die Frage, ob man canonnah bleibt, ob man ein Alternatives Universum (AU) schreibt oder ob man sich an einige Fakten hält und andere Fakten durch die Geschichte möglichst plausibel ändert.
Bei Originalen fängt hier erst der Großteil der Arbeit an. Man braucht Namen, Karten, Orte, Regeln, Wesen (falls Fantasy), evtl. (für ganz ehrgeizige) fremde Sprachen, etc. Es benötigt viel Zeit und Muse die nötige Recherche zu leisten, andererseits gefällt mir persönlich gerade das enorm. Man kann sich in die Themengebiete vergraben, kann seiner Phantasie freien Lauf lassen, darf sich auch mal erlauben extrem Abwägiges oder lächerliche Geschöpfe in die Gedankenexperimente aufzunehmen. Denn hier ist wirklich alles erlaubt.

Der Plot ist dann der Kern der ganzen Geschichte. Die Frage, die ich mir immer stelle ist dann, wie es zu diesem Konflikt kommt, wie sich dieser entwickelt und wohin er führen soll. Eine nicht ganz einfache Arbeit, aber meist habe – zumindest ich – den Hauptplot in groben Zügen recht bald. Es gibt genug klügere und bessere Autoren wie mich, die sich dazu Gedanken gemacht haben – weshalb ich an dieser Stelle auf ebendiese verweisen möchte. Ich selbst plotte nämlich nicht bis ins kleinste Detail, ich hangle mich gerne an dem roten Faden des Hauptplots entlang und sehe, was in den Kapiteln so passiert. Vielleicht haben die Figuren ja einen eigenen Kopf und reagieren anders, als ich zuerst gedacht hätte? Ich gehöre also zu den Schreibern, die zwar einen groben Plan haben, aber noch genug Freiraum lassen, dass die Figuren aus dem Schreibfluss heraus eigenmächtig handeln können.

Schwierig beim Plotten der Haupthandlung ist dann allerdings, die Nebenhandlungen stimmig einzufügen, denn ohne diese – seien wir einmal ganz ehrlich – ist eine Geschichte doch sehr eindimensional und langweilig. Die Nebenplots lassen die Welt auch lebendig erscheinen und man hat als Leser nicht das Gefühl, dass die Hauptfigur allein Dreh- und Angelpunkt des gesamten Universums ist. Also, um es kurz und knapp zu sagen, Nebenhandlungen sind mindestens genauso wichtig, wie eine gute Hauptfigur.

Und was braucht man für Nebenplots? Genau – Nebenfiguren.
Ich bin ja ein absoluter Fan von Nebenfiguren, da ich diese meist sogar mehr mag, als die eigentlichen Hauptfiguren einer Geschichte.
Denn einmal ehrlich, was wären Harry, Ron und Hermine ohne Neville, Luna oder Remus? Wo wäre Frodo ohne Sam?
Bei Fanfictions ist es wieder ein klein wenig einfacher, da man sich an bereits bestehenden Figuren bedienen und diese mit in die Handlung einbauen kann. Wobei man wirklich aufpassen muss, dass man die Figuren auch so darstellt, wie sie vom Autor gewollt waren – mit all ihren Macken und Verschrobenheiten, ihren Charakterschwächen und – stärken, mit ihren Hintergründen und Zielen. Keine einfache Sache, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Schreibt man Originale hat man freiere Hand, man kann den Komiker ebenso einbauen, wie den Ratgeber; denn Stereotypen gibt es wirklich genug und diese haben ihre Daseinsberechtigung. Ich persönlich mag nur allzu platte, nach Schema F handelnde und dargestellte Figuren nicht sehr gerne – wie vermutlich die meisten Leser. Wichtig ist also, nicht nur den Hauptfiguren Tiefe und Seele zu geben, sondern auch den Nebenfiguren.

Was braucht man noch, wenn man eine erste Idee, Haupt- und Nebenfiguren, Haupt- und Nebenplot sowie eine Welt hat?
Meiner Erfahrung nach fehlt dann nur noch die Motivation dazu auch wirklich mit dem Schreiben anzufangen.
Wer würde sich denn für einen Post zum Thema Schreib-Motivation interessieren?

xo,
Frances

1 Comment

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  1. 1
    Myna Kaltschnee

    Toller Artikel! Einen Roman zu planen ist gar nicht so einfach. Umso interessanter zu sehen, wie andere Autoren dabei vorgehen. Beim Plotten bin ich momentan noch am Ausprobieren, welche Methode für mich am besten funktioniert. Bei meinem letzten Projekt hatte ich einen recht ausführlichen Plot – habe während des Schreibens dann aber doch das eine oder andere geändert, weil meine Charaktere anfingen, mir die Handlung zu diktieren (ich liebe es, wenn das passiert!).

    Ein Artikel zum Thema Motivation würde mich auf jeden Fall interessieren.

    Liebe Grüße
    Myna

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