Rosensträuße, Liebesschwüre, Mord und Totschlag

Heute möchte ich euch an einem meiner größten Probleme beim Schreiben teilhaben lassen, auch wenn ich nicht denke, dass viele auch unter diesem speziellen Problem leiden. Zuvor sollte vielleicht gesagt werden, dass ich persönlich eine zutiefst unromantische Person bin und obwohl ich bereits mehrere Jahre glücklich mit dem Mann an meiner Seite bin, habe ich absolut keine Ahnung von Romantik, geschweige denn ein Bedürfnis danach.

Natürlich kann man jetzt sagen, dass jemand der schreibt, sei es nun nur zum Hobby oder für den Lebensunterhalt, in der Lage sein sollte sich mit der Vorstellungsgabe, die ein Schreiberling definitiv hat, in jede Situation seiner Protagonisten versetzen zu können. Und ja, Folter, Tod, Mord und Ähnliches habe ich zum Glück auch noch nie persönlich erfahren und doch habe ich keine Probleme darüber zu schreiben oder die nötigen Emotionen unterzubringen. Warum ist es also so, dass ich sobald meine Figuren nett und liebevoll zueinander sein sollen, beinahe schon automatisch ein Drama in fünf Akten daraus mache?

Um das Problem ein wenig zu verdeutlichen, hier ein Auszug aus einem meiner kleineren Übungsprojekten.
Und nur um das vorher klar zu stellen, geplant war ein Treffen nach mehreren Monaten, das von Zärtlichkeit, liebevollen Gesten und positiven Gefühlen für den Leser nur so übersprudeln sollte. Am Ende dabei heraus gekommen ist das hier (bitte entschuldigt, dass das Beispiel nicht in Deutsch ist, aber hin und wieder schreibe ich auf Englisch um in Übung zu bleiben):

Kira managed to leave the party at the guild and felt deep relief, when she finally opened the door to the flat she occupied together with Loke. She let out a sigh, when she collapsed into the sofa and started to shove off her shoes. But suddenly she sensed someone in her flat and within a second she was back on her feet, her senses on edge.
“Hello, Kira”, a deep, velvet voice said and Kira relaxed, when a person left the shadows he was hiding in. It was a tall, muscled young man, who was wearing a dark brown trench and a tight black shirt as well as combat pants underneath. His heavy boots made muffled sounds, when he approached Kira.

“D-Dorian?”, Kira stuttered, not really believing what she saw. But the man in front of her smiled vaguely and – to Kiras greatest surprise – hugged her tightly. She felt his muscles move under his shirt and his mid-length, dark purple hair tickled her neck. The scent of soil and sandalwood overwhelmed her whole thinking and she simply relished the closeness.
“Not that I don’t like it”, Kira murmured into his shirt, “but why are you here?”
“I heard some Fairy Tail mages taking the job at Galuna Island”, he answered while loosening his grip and taking a step back, arms crossed and his bright turquoise eyes looked daggers into Kiras, “The description matched you.” Kira felt her stomach drop and suddenly the carpet on her floor was extremely interesting. Even if he didn’t give tongue to his feelings, Kira knew she had caused him worries.
“I’m sorry”, she whispered, but then she felt a warm, soft hand on her cheek, forcing her to look up.
“Don’t take jobs above your abilities”, he said tenderly, “You are too precious to get yourself in such a danger.” His thumb stroke softly her skin and his eyes showed every emotion he couldn’t voice, but Kira understood and nodded with a big lump in her throat.

“So you’re caring”, Kira stated after a while, sitting back on the sofa, her arms crossed, while Dorian still stood, his hands in the pockets of his trench.
“You should know that by now”, he said plainly, locking his eyes with hers. But Kira was not anywhere near satisfied with that answer. She saw his eyes glim under his messy bangs, scrutinising her.
“Yeah, sure”, Kira snorted very ladylike, “Apparently you always know where I am, but I know nothing about you except your name.”
“Do you trust me?”, Dorian asked and there was something in his voice that made Kira shiver.
She thought back, when Dorian had found her and the few weeks they travelled together until he had brought her save and sound to Fairy Tail. They didn’t know each other for a long time, but still, she knew she could trust him. Always, from the very first day on, she could see right through his armour and into the depths of his soul. She could see all the tenderness and honesty towards her, but there also was something dark crawling inside him, something that frightened Kira even if she was sure, he would never harm her.
“Yes”, she said after considering every single moment with him, “I trust you.” Kira looked him straight into the eyes and she could see the well hidden relief. Dorian came nearer, until he was standing in front of Kira and then he crouched down to be on one level with her.
“Then trust me with this”, he whispered, his voice throaty and his expression stern, “It is safer for you not to know who I am.” There was this darkness shadowing his eyes and at this very moment Kira realised that Dorian was dangerous, maybe not for her, but definitely for others.
He saw her slightly backing away and sighed, while standing up. Suddenly there was the sound of keys in the front door and they both froze within their movement. Kira then bolted up, ready to explain the situation to Loke, but in the blink of an eye Dorian was in front of her, once again one of his gloved hands on her cheek.
“Trust me”, he whispered with his deep voice and then Kira felt his warm, soft lips on hers.
“Kira? Are you home?”, Loke shouted, when he entered the flat, just to stop, when he saw Kira standing alone in the midst of the living room, her expression surprised and her fingers on her lips.

Und schon wieder hat sich Drama in eine Szene geschlichen, die eigentlich dazu dienen sollte dem Leser ein gutes Gefühl zu geben und einen kleinen Ruhepunkt zwischen zwei Spannungsbögen darstellen sollte. Stattdessen gibt es Streit und Andeutungen auf kommendes Unheil.
Ich erinnere mich noch daran, dass ich den ersten Hobbit-Teil im Kino angeschaut habe und obwohl ich den Film wirklich, wirklich mochte, war ich danach fertig mit den Nerven. Es war mir zu hektisch; Gandalf, Bilbo und die Zwerge hetzten von einer Schwierigkeit in die nächsten, ohne dass es ruhige Stellen dazwischen gab, die einem die Zeit gaben sich ein wenig auszuruhen, vielleicht sogar das zuvor gesehen ein wenig unterbewusst zu reflektieren. Diese Tatsache war der Hauptgrund dafür, dass Hobbit meiner Meinung nach nicht an Herr der Ringe heran kommt.
Lange Rede kurzer Sinn, ich bemerke immer öfter, dass meine Geschichten mehr wie der Hobbit-Film sind. Die Figuren rennen von einer Sache in die nächste, ohne dazwischen einmal wirklich Ruhe und Zeit für Zärtlichkeiten zu bekommen. Aber ich möchte auch über die sanften, die leisen Töne der Geschichte schreiben, dem Leser Zeit geben sich von Spannung und Drama zu erholen, damit er fit für das nächste Abenteuer ist und genau das fällt mir unglaublich schwer.

Derzeit versuche ich dieses Defizit dadurch auszugleichen, dass ich (entgegen meinen sonstigen Präferenzen) hauptsächlich Romanzen lese und trotzdem wird es nicht wirklich besser. Sogar durch Taylor Swift Alben habe ich mich schon gequält, um ein Gefühl für die Situation zu bekommen, aber das hat lediglich meine Freunde an meinem Musikgeschmack zweifeln lassen.
Ich liebe es, selbst in einem Abenteuer-Roman oder in großen Fantasy-Epen eine Szene zu lesen, die sich nur mit der Beziehung zweier Figuren beschäftigt. Meinem Empfinden nach sind diese ruhigen, leisen Szenen ebenso wichtig wie die laute, spannende Schlacht. Daher kann ich auch nicht dem Ratschlag meines Freundes folgen und die romantischen Aspekte meiner Geschichten auf wenige subtile Momente herunter schrauben, denn ehrlich wer würde so etwas schon gerne lesen? Wir warten doch insgeheim alle darauf, dass die Figuren in den Geschichten, die wir lesen und mit denen wir mitfiebern, nicht nur die Abenteuer bestehen in die sie von den Autoren geschmissen werden, sondern dass sie auch den Lohn erhalten ein wenig Glück zu finden und dieses Glück nicht nur irgendwo in einem Halbsatz angedeutet ist.

Natürlich, ist eine Liebesbeziehung nicht zwingend nötig, es gibt genug Geschichten über Freundschaft, die einen ganz tief im Herz berühren und uns das Gefühl von zufriedener Glückseligkeit vermitteln. Dennoch brauche ich persönlich für mein Hauptprojekt “Graustufen” definitiv Liebesbeziehungen, da es dort viele Figuren gibt und es schlicht unlogisch wäre, wenn es nicht auch mehrere romantische Gefühle und Beziehungen geben würde.
Sollte also jemand von euch einen Tipp haben, wie man romantisch schreibt ohne dass es kitschig wird – ich bin noch immer auf der Suche nach einer Lösung.
Bis dahin lese ich weiterhin Romanzen, beobachte meine Umgebung und übe, denn ich fürchte mehr kann man nicht tun.

xo,
Frances

2 Comments

Add Yours
  1. 1
    Evanesca Feuerblut

    Einen Tipp habe ich leider nicht, aber ein ähnliches Problem.
    Mord, Totschlag, Folter, Seelenqualen, Selbstmord, Depressionen? Kriege ich hin. Schreibt sich fast von selbst (auch wenn manche Sachen dann doch etwas heikler sind als andere beim Schreiben).
    Romantik, süßes Geplänkel, Liebespaare? Fehlanzeige. Ich finde alle meine Romantik-Stellen so furchtbar, vielleicht setze ich sie darum so sparsam ein…
    Willkommen im Club. Wir haben Kekse.

    • 2
      Frances

      Ah, Schade!
      Es ist irgendwie bei vielen das Problem, zumindest bei den Schreiberlingen, die ich kenne…
      Tja, ich werde dann wohl die Kekse nehmen und mich für den ersten Kommentar freuen (Danke!!), während ich versuche die Mysterien der Romantik zu dechiffrieren.

      xo,
      Frances

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