Bericht 22. Schreibnacht

Nach viel zu langer Zeit melde ich mich mal wieder, dieses Mal mit einem Bericht über die erste Schreibnacht an der ich teilgenommen habe. Die Schreibnacht fand letzten Freitag bereits zum 22-mal statt und ich bin wirklich froh, dass ich endlich die Zeit gefunden habe daran teilzunehmen, denn es ist ein ganz eigenes Erlebnis.

Schreibnacht – was ist das?

Die Schreibnacht wird einmal im Monat von Schreibnacht.de organisiert und besteht im Grunde darin, dass unzählige Hobbyautoren gleichzeitig in die Tasten hauen. Dabei wird jedes Mal ein Special Guest (meist bereits veröffentlichte Autoren, aber auch Youtuber, Covergestalter oder Menschen aus dem Marketing von Verlagen) von den Administratoren eingeladen, die eine Stunde lang von 20 – 21 Uhr Fragen beantworten. Zusätzlich wird die Nacht in Etappen eingeteilt, wobei eine Etappe genau 50 Minuten dauert (21.00 – 21.50 Uhr; 22.00 – 22.50 Uhr; etc.) und man zu Beginn einer Etappe sowohl sein Wortziel für diese Stunde angeben, als auch eine kleine Aufgabe bewältigen kann.

Muss man sich darauf vorbereiten?

Es ist nicht gefordert, dass man bestimmte Dinge für die Schreibnacht vorbereiten muss, allerdings ist es von Vorteil folgendes vorher zu organisieren:

1) Wer in der Schreibnacht wirklich schreiben und seinen Wordcount nach oben treiben möchte, der sollte die Tage zuvor definitiv genug plotten und Recherchen abschließen, damit man sich dann voll auf das Schreiben konzentrieren kann. Natürlich wird die Schreibnacht aber nicht nur dafür genutzt, wer möchte kann währenddessen alles machen worauf er Lust hat: editieren, recherchieren, Blogeinträge schreiben, etc. Aber auch hier gilt, dass eine gründliche Vorbereitung Gold wert ist, damit man dann während der Schreibnacht erfolgreich voran kommt.

2) Was mir bereits bei der Schreibnacht im Mai (an der ich wegen anderen Terminen leider nicht teilnehmen konnte) aufgefallen ist, das ist der beinahe schon kultartige Hype um die Snacks, die sich ein jeder Schreibnacht-Teilnehmer vorbereitet um die Nacht auch durchzuhalten. Wenn man also nicht hungrig vor Twitter sitzen und neidisch auf die Snacks der anderen starren will, sollte vorher einkaufen gehen.

3) Wer wie ich gerne mit Musik schreibt, der sollte sich vorher vielleicht sogar eine Playlist für die Schreibnacht erstellen, damit man währenddessen nicht lange nach Musik suchen muss.

Meine eigene Vorbereitung

Ich habe mich halbwegs den oberen Punkten entsprechend vorbereitet, zumindest war ich sehr froh, dass ich meine Snacks hatte und diese auch gerade noch so vor 20 Uhr fertig bekommen habe. Da ich persönlich kein großer Fan von Schokolade bin (bitte steinigt mich nicht!) bestand meine Snack-Variation aus Melone, Banane, Blaubeeren, Haribo, Salzstangen mit Sesam und ein klein wenig Schokolade. Gefehlt haben mir eigentlich noch Nüsse, aber die habe ich leider beim Einkaufen vergessen und jetzt müssen sie bis zur nächsten Schreibnacht warten.

Getränke ist auch immer ein großes Thema, schließlich will man ja wach bleiben bis die Schreibnacht um 3 Uhr morgens ihr verdientes Ende findet. Da ich aber am Tag nach der Schreibnacht früh aufstehen musste und daher wusste, dass ich sowieso spätestens um 12 Uhr nachts aufhören wollte zu schreiben, landete bei mir nur Eistee und Wasser auf der Getränkeliste und nichts Koffeinhaltiges.

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Ein typischer Schreibnacht-Schreibtisch

Was das Schreiben angeht, so habe ich mir ein kleineres Übungs-Projekt für die Schreibnacht vorgenommen, an dem ich noch nicht viel gearbeitet hatte. Die Woche vor der Schreibnacht bestand für mich daher größtenteils darin, die Grundzüge dieses Projektes zu plotten und grundsätzliches wie die Figuren zu gestalten und Hintergründe zu recherchieren. Ich bin mir sicher, hätte ich diese Vorarbeit nicht gemacht, wäre ich definitiv wenige ins Schreiben hinein gekommen, als es letztlich der Fall war.

Die Schreibnacht – ein ganz eigenes Gefühl

Zu heiß darauf endlich mir dem Schreiben zu beginnen und mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich nur bis Mitternacht Zeit habe, war ich während der Fragerunde mit Jennifer Wolf nur sporadisch im Forum, da ich bereits mit schreiben begonnen habe. Dennoch habe ich ab und zu in die Fragerunde geschaut und das hat sich wirklich gelohnt. Die gestellten Fragen waren interessant und die Antworten sowohl informativ, als auch sympathisch, das Schreibnacht-Team hat einen wirklich tollen Special Guest ausgesucht. Was mich in dieser ersten Stunde der Schreibnacht doch ein wenig unvorbereitet getroffen hat, war der rege Betrieb auf Twitter, der teilweise so schnell ablief, dass man gar nicht mehr hinter den vielen Tweets her kam. Es war eine überraschend hartnäckige Quelle der Ablenkung und mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass während der Schreibnacht mehr Worte in Tweets geschrieben werden als in den Manuskripten der Teilnehmer.

Die erste Etappe zwischen 21:00 Uhr und 21:50 Uhr lief dann trotz Twitter überraschend gut und ich war irgendwann zur Hälfte stark im Schreib-Flow gefangen. Leider, leider habe ich bereits zur Hälfte der ersten Etappe praktisch alle meine Snacks aufgefuttert, andererseits hatte ich dann wenigstens für den Rest der Schreibnacht zumindest diese Ablenkung nicht mehr.

In der zweiten Etappe von 22:00 Uhr bis 22:50 Uhr wollte ich dann so richtig loslegen, aber daraus wurde leider nichts. Die Krux daran, dass ich nicht alleine in dem Raum war. Mein Freund hat zu diese Zeit beschlossen, dass es intelligent wäre die Flüge für unseren Urlaub zu buchen, was warum auch immer, tatsächlich letztendlich beinahe die gesamte Stunde beansprucht hat und mich natürlich völlig aus meinem Schreibrhythmus heraus gehauen hat. Die Unterbrechung sei allerdings verziehen, da ich sicher bin, dass ich ihn oft genug durch meine plötzlichen Ausrufe der Freude, sollte ich endlich das lang von mir gesuchte Wort oder endlich die richtige Formulierung gefunden haben, erschrocken oder zumindest verwundert habe.

Ohne, dass ich wirklich wusste, wo die Zeit hin gegangen ist, hat auch schon die dritte Etappe (23:00 – 23:50 Uhr) angefangen und ich musste schauen, dass ich wieder zurück in den so heißbegehrten Flow zu kommen. Eine kleine Hilfe dabei ist immer das Forum, in dem fleißig die angestrebten Wortzahlen für die Etappe angegeben und sich so gegenseitig motiviert wird. Es hilft manchmal auch von der lieben Jennifer Jäger angeschrien und zu einer Short-Challenge (100 Wörter in 10 Minuten) aufgefordert zu werden, das pusht die Motivation unglaublich und ehe ich mich versehen hatte, war ich auch schon wieder schön im Schreiben drin.

Was man in der Schreibnacht nicht kontrollieren kann, ist die ungeheure Menge an Kreativität, die zweifellos bei so vielen Autoren am Übersprudeln ist, dass sich manchmal aus spontanen Witzen eine ganz Challenge entwickeln kann. So geschehen mit Tasmetus Ziegen-Challenge, die plötzlich ganz Twitter (und später auch das Schreibnacht-Forum) unter #määäh flutete. Wenn ich mich richtig erinnere hat bei der Entstehung dieser Aufgabe der Goat Simulator eine nicht zu verachtende Rolle, aber wieso auch immer sich das so entwickelt hat, letztlich saßen unzählige Schraibnacht-Teilnehmer vor ihren Manuskripten und überlegten fieberhaft, wie sie dort eine Ziege unterbringen könnten. Ich habe auch dabei mitgemacht und tatsächlich dadurch die Idee zur Einführung einer Figur für mein Hauptprojekt “Gaustufen” bekommen. Manchmal ist es schon verwunderlich, welche Wege die Kreativität nimmt…

Für die Ziegen-Challenge ging dann auch die Hälfte der vierten Etappe drauf und danach fand ich endlich einen Punkt, an dem ich aufhören konnte, auch wenn es beinahe eine ganze Stunde später als geplant gewesen ist. Keine Ahnung, wie ich den Vormittag danach überlebt habe, aber ich habe es und ich hatte noch den ganzen Samstag über dieses zufriedene, glückliche Gefühl, das ich von der Schreibnacht bekommen habe. Es war spannend, so viele neue Menschen kennen zu lernen und in einem so großen Kollektiv zu schreiben, was ein wirklich ganz eigenes, glücklich-machendes Gefühl hinterlässt. Letztlich bin ich mit meinen 1.857 Wörtern in der ersten Schreibnacht zufrieden, aber was wirklich bleibt am Schluss, das ist dieses warme Gefühl von Gemeinschaft und Kreativität. Genau das ist auch der Grund, weshalb ich mich schon jetzt auf die nächste Schreibnacht freue, an der ich sollte es mein Terminkalender zulassen, definitiv teilnehmen möchte.

Ein großes Dankeschön, an alle die ich während der Schreibnacht kennen lernen durfte und an das Schreibnacht.de-Team für die tolle Organisation!

Bis nächsten Monat, ich freue mich schon.

xo,
Frances

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